Versorgungswerk

Ein Überblick mit Praxistipps zu Rente und andere Leistungen vom Versorgungswerk für Freiberufler, die Pflichtmitglied einer berufsständischen Kammer sind (Ärzte, Apotheker, Architekten, Ingenieure, Notare, Psychologische Psychotherapeuten, Rechtsanwälte, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte).versogungswerk aerzte

Was sind die Vor- und Nachteile der Leistungen vom Versorgungswerk, mit welcher Rendite ist zu rechnen, was leistet das Versorgungswerk bei Berufsunfähigkeit, worauf sollten Mitglieder im Versorgungswerk bei Ihrer Krankenversicherung achten, wie kann ich mir Kindererziehungszeiten anrechnen lassen, Riester und Versorgungswerk – geht das?

Hinweis: wir beschreiben das Thema Versorgungswerk hier in den wichtigsten Grundzügen, die in den meisten Satzungen ähnlich geregelt sind. Die genauen, ggf. in Details abweichenden Regelungen ergeben sich aus der jeweiligen Satzung!

Ein wichtiger Tipp: lassen Sie sich von unseren umfassenden fachlichen Informationen nicht zu “do-it-yourself” Lösungen verführen. Wenn Sie einfacher und sicherer ans Ziel kommen möchten, nutzen Sie direkt unsere persönliche Beratung und buchen Sie hier einen kostenlosen Beratungstermin.

 

Versorgungswerk vs. Altersrente

Als Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker, Architekt, Notar, Rechtsanwalt, Patentanwalt, Steuerberater / Steuerbevollmächtigter, Wirtschaftsprüfer / vereidigter Buchprüfer, oder Ingenieur können Sie sich von der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) befreien lassen und Mitglied in einem Versorgungswerk werden.

Seit dem 1.1.2016 können sich auch angestellte Syndikusanwälte wieder von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen (siehe „Gesetz zur Neuordnung des Rechts der Syndikusanwälte und zur Änderung der Finanzgerichtsordnung“). Nähere Infos dazu finden Sie u.a. in dem hier verlinkten Hinweisblatt zur gesetzlichen Neuregelung für Syndikusanwälte der bayerischen Versorgungskammer und auf der Seite des Versorgungswerks der Rechtsanwälte NRW “Syndikusanwälte können wieder von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit werden“.

Für angestellte Ingenieure und psychologische Psychotherapeuten ist eine Befreiung von der GRV nicht vorgesehen, sie können sich zusätzlich freiwillig in einem Versorgungswerk versichern.

 

Ihre Vorteile auf einen Blick

Mitglieder profitieren von “kapitalgedeckter” Altersvorsorge. Eigene eingezahlte Beiträge werden verzinst und später verrentet. Die einheitliche Risikostruktur von “Besserverdienern” bietet weitere Vorteile. Anders die gesetzliche Rentenversicherung: dort bezahlen “umlagefinanziert” junge Erwerbstätige (Problem: demographische Entwicklung!) unmittelbar die Renten der älteren Generation – ohne Rücklagen, sozusagen “von der Hand in den Mund”.

Als Folge fiel die Durchschnittsrente der rund 720.000 Mitglieder in den 89 verschiedenen berufssständischen Versorgungswerken mit knapp 2.000 EUR fast doppelt so hoch aus, wie die Durchschnittsrente der GRV (Stand 2010).

Schaut man allerdings genauer hin, so handelt es sich um ein „offenes Deckungsplanverfahren“, bei dem die Beiträge künftiger Mitglieder ebenfalls in die Kalkulation einbezogen werden, d.h. Versorgungswerke sind darauf angewiesen, dass stetig neue Beitragszahler aufgenommen werden.

 

Nachteile der Altersrente vom Versorgungswerk

Freiberufler als typische Mitglieder von Versorgungswerken haben eine im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung ca. vier Jahre höhere Lebenserwartung. Bei der Verrentung folgt daraus je nach verwendetem Berechnungsmodell (“Sterbetafel”) eine etwas reduzierte monatliche Altersrente (siehe Wikipedia Berufsständische Versorgung). Die Auswirkungen von steigender Lebenserwartung, überaltertern Mitgliederstrukturen und einem stärkeren Zugang junger weiblicher Mitglieder mit höherer Lebenserwartung (so z.B. die Nordrheinische Ärzteversorgung in ihrem Geschäftsbericht) treffen vor allem jüngere Freiberufler!

Manche Versorgungswerke haben einen “Generationenfaktor” und altersabhängige Verrentungsfaktoren eingeführt, um die Finanzierung gerechter auf die Mitglieder zu verteilen, die von steigender Lebenserwartung profitieren.

Auch Versorgungswerke können sich dem aktuellen Marktumfeld nicht entziehen. Die meisten Mitglieder einer berufsständischen Versorgung mussten durch das Anheben des Rentenalter von 65 auf 67 bereits eine fühlbare Rentenkürzung hinnehmen. Die aktuelle Niedrigzinsphase und gravierende Finanzierungsprobleme lassen weitere erhebliche Rentenkürzungen erwarten. Viele Versorgungswerke haben ihren Rechnungszins mittlerweise deutlich gesenkt.

 

Weitere zu berücksichtigende Aspekte von Versorgungswerken

  • Sie unterstehen nicht der Aufsicht des BaFin, sondern der Aufsicht der Finanz- oder Justizminister der Länder.
  • Es gibt keine gesetzliche Insolvenzregelung bzw. Absicherung durch Protektor.
  • Es gibt vom Eintritt bis zum Rentenantrag keine garantierte Altersrente.
  • Bei Eintritt sind wichtige Rechnungsgrundlagen wie Rechnungszins, Sterbetafeln bzw. Rentenfaktor nicht garantiert, diese werden erst bei Rentenbeginn festgelegt.

 

Geben Sie sich bitte nicht der Illusion hin, mit der Altersrente vom Versorgungswerk Ihre komplette Altersvorsorge geregelt zu haben. Dazu einige Stichpunkte:

Die Pflichtbeiträge zum Versorgungswerk basieren auf der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Jahr 2016 liegt diese bei 6.200 € p.m., davon ein Beitragssatz von 18,7% ergibt einen Regelpflichtbeitrag i.H.v. 1.159,40 EUR pro Monat. Entsprechend ist auch die Versorgungswerkrente gedeckelt und für Mitglieder mit einem Verdienst oberhalb der BBG nicht ausreichend, um den Lebensstandard vor Renteneintritt annähernd zu halten.

Die avisierte Altersrente vom Versorgungswerk basiert auf bestimmten Annahmen zu Rechnungszins, Lebenserwartung der Mitglieder (musste z.B. 2006 revidiert werden), Beitragshöhe, Kostenquoten, Zugang von Neumitgliedern etc.. Bei negativen Veränderungen werden die Renten gekürzt – anders als bei privaten Versicherungen gibt es keine garantierte Mindestverzinsung.

Die Versorgungswerkrente bietet keinen Inflationsausgleich! Ein 37-jähriger Anwalt, der mit 67 gerne 4.000 EUR an Kaufkraft zur Verfügung hätte, benötigt dafür bei 2,5% Inflation monatlich 8.390 EUR

Fazit: auch Freiberufler im Versorgungswerk haben eine Rentenlücke, die mit privater Vorsorge auszugleichen ist!

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